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ERLEBNISBERICHT |
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Für unser Vereinsmitglied „Bernd Linden“ erfüllte sich in diesem Jahr ein lang ersehnter Traum. Anlässlich seines Geburtstags organisierte seine liebe Frau ihm unter Mithilfe vieler lieber Freunde eine nicht alltägliche Bergtour. So ging es nach zu Afrika’s höchstem Berg den „Kilimanjaro“. Auf Bitte der Redaktion von „Eppes Neies“ war Bernd bereit, seine Erlebnisse und Eindrücke der Tour zu Papier zu bringen, um sie in dieser Ausgabe der Vereinszeitung zu veröffentlichen. Hier ist sein Bericht unter dem Motto:
Am 10. September startete ich meine lang geplante Tour zum Kilimanjaro. 2002 wurde ich auf einer Touristikmesse aufmerksam auf den höchsten Berg Afrikas und beschäftigte mich seitdem näher damit. Als ich dann 2005 einen Bericht über die Besteigung las und den in meinen Augen unerreichbaren Wunsch äußerte, den Gipfel dieses Berges zu besteigen, wurde Marita hellhörig, denn sie war schon seit längerem auf der Suche nach einem ausgefallenen Geschenk zu meinem 50. Geburtstag. Alle Freunde trugen mit dazu bei, den finanziellen Grundstock für diese nicht gerade günstige Reise zu legen. Diese Überraschung musste ich erst einmal verdauen, denn immerhin schaffen es nur etwa die Hälfte aller Gipfelstürmer bis ganz nach oben. Etwa 3 Monate benötigte ich, um mich mit dieser Tour anzufreunden, ja zu sagen und sie detailliert zu planen: Tourverlauf, Route, Reiseunternehmen, Ausrüstung, Finanzierung, Konditionsaufbau, Gewichtsreduzierung, Medizinischer Checkup, Impfungen. Die nächsten Monate bereitete ich mich intensiv auf die Besteigung des Kili vor. Der Veranstalter „Fernaktiv“ aus Trier, setzte meinen gewünschten Reiseverlauf exakt so um, wie ich es plante. Ich buchte verbindlich und es führte von nun an kein Weg mehr zurück.
1. und 2. Tag Am 10. September, kurz vor Mitternacht hob die Boing der Ethiopian Airlines – mit mir an Bord - von Frankfurt Richtung Tansania ab. Nach einem Zwischenstopp in Addis Abeba flogen wir weiter zum Kilimanjaro Airport. Nach 13 Std. Flugzeit wartete dort schon ein Fahrzeug meines Hotels, welches außerhalb der Stadt Moshi liegt. Um 14.00 Uhr Ortszeit (1 Std. Zeitverschiebung) meldete ich mich dort an, bezog mein Zimmer und erkundete die Anlage. Nachmittags war das erste Briefing (Informationsgespräch) angesagt. Dies und alles andere vom Abflug bis zur Rückkehr nach Frankfurt in Englisch. Hier musste ich mich mit meinem Schulenglisch von vor über 35 Jahren durchkämpfen. Es klappte aber erstaunlicherweise sehr gut. Bereits im Voraus hatte ich mich dazu entschieden, zunächst den Mount Meru im Nationalpark Arusha zu besteigen und hoffte durch diese Akklimatisierung die Gefahr einer Höhenkrankheit zu verringern. Die Höhenkrankheit zeigt ähnliche Symptome wie Taucherkrankheit und kann tödlich verlaufen. 3. Tag Da sich sonst kein weiterer Teilnehmer für diese Tour fand, holte mich mein Guide (Bergführer) Jaffery im Hotel ab. Wir fuhren vorbei an fruchtbaren, grünen Landschaften mit Bananen- und Kaffeeplantagen zum Momella Nationalparktor auf 1500m Höhe. Dort trafen wir auf die Mannschaft, 1 Koch, 2 Träger für Gepäck und Lebensmittel und den bewaffneten Ranger Joseph – wegen den wilden Tieren. Hier (das Eingangstor ist strenger bewacht als bei uns eine Kaserne), auf jeder Hütte und auch später auf der Kilimanjaro-Tour musste der Guide seine Gruppe in ein Buch eintragen und jeder Tourist musste Namen, Wohnort, Land, Reisepassnummer, Alter, Geschlecht, örtliche Agentur, Genehmigungsnummer und noch einiges mehr eintragen und unterschreiben. Nachdem alle Formalitäten erledigt waren, ging es zu Fuß zur Miriakamba Hut, einer Hüttenanlage auf 2500m Höhe. Viele neue Eindrücke kamen dabei auf mich zu. Am Anfang führte der Weg durch offenes Wiesengelände, wo Tiere (Büffel, Affen, Zebras, Gazellen und Giraffen), die ich bisher nur aus dem Zoo kannte, meinen Weg kreuzten. Es war wie eine kleine Safari. Dann durch fruchtbaren scheinbar undurchdringlichen Regenwald, in dem kaum Sonnenstrahlen bis zum Boden drangen. Dazu kam die hohe Luftfeuchtigkeit. 4. Tag Am nächsten Morgen ging die Wanderung weiter zur 3550m hohen Sattle Hut. Der Regenwald wich allmählich einer offeneren Landschaft. Von hier aus bestiegen wir den Little Meru. Dies war für mich ein leichter Spaziergang auf eine Höhe von 3801m, es bedeutete jedoch einen neuen Höhenrekord. Nach dem Abendessen hieß es früh schlafen gehen, denn für den nächsten Tag war bereits der Gipfelsturm geplant und dieser begann schon um 24 Uhr mit dem Wecken. 5. Tag Dick eingepackt und nur mit einer Stirnlampe als Lichtquelle ging es eine Stunde später mit meinem Guide Jaffery und dem Waiter Julius (einer der Träger, der zusätzlich das Essen serviert und den Tisch deckt, bzw. abräumt) bei eisigem Wind los. Der Weg führte über einen schmalen Bergkamm mit tiefen seitlichen Abgründen, die ich aber zum Glück bei Nacht nicht erkennen konnte. Immer rutschiger wurden die schrägen Passagen, die Steigung nahm zu. Bei etwa 4200m trafen wir eine Frau, die wegen der Höhenkrankheit umkehren musste. Große Felsbrocken waren zu überklettern, felsige Schräghänge mussten gequert werden. Die Felsen wurden mit zunehmender Höhe immer vereister und rutschiger. In den Alpen wären solche Stellen als Klettersteig mit Stahlseilen gesichert. Gegen 6.30 Uhr war der Gipfel auf 4566m erreicht. Leider keine Sicht, da alles in eisigen Nebel und Wolken gehüllt war. „Die Gipfelplattform ist knappe 3 x 3m groß und fällt an der nordöstlichen Seite direkt und ohne Absperrung einige hundert Meter tief ab.“ An diesen Satz in meinem Reiseführer dachte ich da oben nicht, vielmehr hatte ich höllische Angst vor dem Abstieg von diesem vereisten Berg, denn ich wusste: Ich kann weder klettern, noch bin ich Schwindelfrei. Doch der Abstieg ging besser, als ich dachte. Es wurde zusehend wärmer, die Sicht wurde immer besser, ich konnte sehen, wie tief es neben mir an vielen Stellen runter ging. Nach mehr als 8 Stunden war die Ausganghütte wieder erreicht. Von dort aus ging es nach der Rast noch rund 2 Stunden weiter runter zur Miriakamba Hut. Nun gab es für die erfolgreiche Besteigung für Jaffery, Joseph und mich je ein Kilimanjaro Bier (9 US-Dollar). 6. Tag
Nach der Übernachtung und der
Trinkgeldauszahlung an das Team ging es vorbei am Maio Falls (Wasserfall)
und unter der Arched Fic Tree (geteilter Feigenbaum) hindurch zurück zum
Nationalparktor. 7. Tag und des nächsten Tages. Am späten Nachmittag dann das schon bekannte Briefing für den Trip zum Kili. Bei dieser Tour war ich nicht alleine. Andrea aus Argentinien (36) und die jungen Engländer John (25) und Joe (24) waren in meinem Team. 8. Tag Am nächsten Morgen schloss sich noch Gaku, ein 20jähriger Japaner an. Mit Jaffery, meinen von mir gewünschten Guide und dem Koch brachen wir zum Nationalparktor in 1800m Höhe in Marangu auf. Hier kamen noch etwa 10 Träger für unser Gepäck und die Lebensmittel hinzu. Nach der üblichen Anmeldungsprozedur nahmen wir nun die erste Etappe der insgesamt über 70KM langen Tour in Angriff. Im Gegensatz zur Mt. Meru Tour gab es auf der gesamten Kili-Tour nur Affen, Vögel und kleinere Tiere (z.B. Mäuse) zu sehen. In ca. 5 Stunden war die in 2700m Höhe gelegene Mandara Hut unser erstes Ziel. Wieder ging es durch den nebligen, dunklen Regenwald, an riesigen Baumfarnen, gigantische Moospolster auf unheimlichen Baumriesen vorbei. Nachmittags machten wir noch wegen der besseren Akklimatisierung einen einstündigen Abstecher zum 100m höheren Maundi Krater. Endlich reichte der Blick einmal weiter als 10m. Nach dem Abendessen schliefen wir fünf mit noch 3 Japanern und dem Chef des Umweltschutzes am Kili in einem Schlafraum. 9. Tag Mehr oder weniger ausgeruht setzten wir nach dem Frühstück unsere Wanderung zur Horombo Hut fort. Allmählich wich der Regenwald einer in mystischen Nebel gehüllten Moorlandschaft. Nach 6 Stunden, inklusive einer Lunchpause, erreichten wir müde die Hüttenanlage in 3700m Höhe. Hier bezogen wir eine schöne 6-Bettenhütte für uns fünf. Anschließend ging es noch auf etwa 4000m zu den Zebra Rocks (schwarze Felsen mit weißen Kalkablagerungen), ehe wir nach dem Abendessen in den wohlverdienten Schlaf fallen konnten. 10. Tag Der nächste Tag führte uns über eine scheinbar endlose Alpinwüste, bevor wir nach rund 6 Stunden die auf 4700m hoch gelegene Kibo Hut erreichten. Bis hierhin war die gesamte Strecke eine reine Wandertour, doch ich wusste, dass der letzte Aufstieg alle meine Kräfte forderte. In dieser Höhe war es trotz Sonnenschein schon bitterkalt und die Luft merklich dünn. Nachdem ich noch rund 160m höher zum Akklimatisieren war, ging es früh in einer ungemütlichen, kalten Schlafhütte (14 Personen in Stockbetten) in den warmen Schlafsack. 11. Tag Bereits um 23 Uhr war wecken angesagt, um 24 Uhr traten wir den letzten Aufstieg an. Bei eisiger Kälte und nur mit Stirnlampen beleuchtet, ging es im Dunkeln zum lang ersehnten Gipfelsturm. Andrea blieb mit starken Kopfschmerzen (Höhenkrankheit) in der Hütte zurück. Gaku, John, Joe, ich und 3 Führer, sowie etwa 20 andere Gruppen bewegten sich langsam steil in Serpentinen den Berg hinauf. Gehen – schwitzen, stehen – frieren war angesagt. Die Luft wurde immer dünner, die Kälte nahm zu. Etwa bei Halbzeit des Steilstücks gab es eine 5 Minuten lange Trink-, Essen- und Luftschnapppause. Mehr als einmal habe ich in diesen endlosen Stunden über den Sinn, bzw. Unsinn dieser Tour nachgedacht, und war oft nahe daran, diese Qual abzubrechen. Endlich, morgens, kurz vor 6 Uhr erreichten wir Gilman`s Point auf 5681m. Dieser Punkt gilt schon als offizielle Besteigung des Kilimanjaro und wird mit einer grünumrandeten Urkunde belohnt. Ich wollte eine längere Pause machen, aber mein Guide stellte mich wegen der Eiseskälte vor die Wahl, absteigen oder noch 2 Stunden weiter zum Hauptgipfel. So fix und fertig wie noch nie, am Ende meiner Kraft, gab es für mich nur eines: weiter. Minuten später erlebten wir einen überwältigenden Sonnenaufgang über den schroffen Mawenzigipfeln. Der Weg (der eigentlich keiner war) wurde flacher, vorbei am Kraterrand (Trittsicherheit ist hier erforderlich), mit herrlichen Aussichten auf die verschiedenen Gletscher und in den 200m tiefer liegenden Bergkrater. Nach knapp 2 Stunden war der Uhuru Peak erreicht. Die obligatorischen Gipfelfotos unter der Tafel:
CONGRATULATIONS YOU ARE NOW AT UHURU PEAK TANZANIA 5895M AMSL AFRICA`S HIGHEST POINT WOURLD HIGHEST FREE STANDING MOUNTAIN
wurden gemacht. Kein Glücksgefühl – das stellte sich erst viel später ein - dafür aber total erschöpft. Dann ging es zurück, wobei die Sonne die eisige Nachtkälte langsam vertrieb. Am Gilman`s Point sah ich gerade einen älteren Afrikaner hochkommen, einer zog von vorne, einer schob von hinten. Mein Guide sagte, es wäre der Außenminister von Tansania. Ich ergriff die Gelegenheit, begrüßte ihn mit „Jambo“ und reichte ihm die Hand. Er erwiderte meinen Gruß und schlug ein. Runter ging es viel schneller als beim Aufstieg, weil man im nun lockeren Lavasand (nachts gefroren) mehr runterrutscht als geht. Nach 9.30 Stunden waren wir wieder zurück in Kibo Hut. Frühstücken, Umpacken, Ausruhen. Es ging weiter runter zur Horombo Hut. Wieder schien der Weg kein Ende zu nehmen, doch nach weiteren 2 ½ Stunden erreichten wir unser heutiges Ziel. Diesmal schliefen wir im Großschlafraum über dem Essenssaal. Erschöpft fielen wir nach dem Abendessen früh ins Bett. 12. Tag Am anderen Morgen ging es weiter im Eiltempo an der Mandara Hut vorbei zum Nationalparktor in Marangu auf 1800m. Endlich ist die Schinderei vorbei. Zum Glück hatte ich keine Probleme mit der Höhenkrankheit, die tödlich enden kann. Kurz vor Parkende fotografierte ich einheimische Mädchen, die große Grasbüschel auf dem Kopf trugen, für einen Dollar. Zurück im Hotel tranken wir ein Kilimanjaro Bier und die Trinkgeldübergabe an unseren Guide fand statt. Gaku bedankte sich nachher bei mir typisch japanisch mit einer Verbeugung für meine Trinkgeldregelung. Wir Männer erhielten alle eine Urkunde mit Goldrand (Uhuru Peak), Andrea bekam leider keine. Ich habe anschließend extra lange geduscht, ehe ich mich wieder entstaubt, „entsonnencremt“ und „entmückensprayt“ gefühlt habe. 13. Tag Der nächste freie Tag diente zum Relaxen, obwohl ich mich weder erschöpft fühlte, noch mit Muskelkater oder Fußproblemen zu kämpfen hatte. 14. Tag Sonntags um 15 Uhr hieß es Abschied nehmen, mit dem hoteleigenen Auto ging es zurück zum Flughafen. Start laut Flugplan 16.10 Uhr, laut elektronischer Anzeige in der Wartehalle 16.30, tatsächliche Abflugzeit 16.00 Uhr. Afrikanische Zeiten. 15. Tag Nach Zwischenlandung und 2-stündigem Aufenthalt in Äthiopien landeten wir pünktlich und ohne weitere Zwischenfälle um 6 Uhr in Frankfurt. Gepäckausgabe, durch den Zoll und rein in den nächsten Zug, der natürlich – wie ich es bei der DB auch nicht anders erwartet habe - wegen Lokschadens zwischen Mainz und Koblenz stehen blieb, nach Wengerohr und weiter nach Greimerath. Froh, wieder daheim zu sein beendete ich meinen Trip in eine andere Welt.
Bernd Linden
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